Das Wunder des Glaubens

Der Abschied vom Mythos

"Und die Bibel hat doch recht". So lautet der Titel eines Bestsellers, den der Journalist Werner Keller im Jahr 1955 veröffentlicht hat. Der Untertitel "Forscher beweisen die Wahrheit des Alten Testaments" beschreibt das Anliegen des Verfassers: Keller will die Glaubwürdigkeit biblischer Geschichten durch die Ergebnisse der modernen Wissenschaft, insbesondere der Archäologie, untermauern.

Eine im südlichen Irak entdeckte Schlammschicht belegt – seiner Ansicht nach – die Sintflut. Ein Pilot soll zudem bei seinem Flug über den Berg Ararat im ewigen Eis Trümmer der Arche Noah gesehen haben. Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten war nur möglich, weil heftige Winde die Fluten des Roten Meeres auseinandergetrieben haben. Und das Himmelsbrot, von dem sich das Volk in der Wüste Sinai ernährt hat, war nichts anderes als das süßliche Sekret der Mannatamariske.

So entzaubert Werner Keller ein Wunder nach dem anderen, indem er es naturwissenschaftlich erklärt, und betreibt damit, ohne es zu wollen, die Entmythologisierung des Alten Testaments.

Die "Entmythologisierung des Neuen Testaments" geht auf den Theologen Rudolf Bultmann zurück, der - im Gegensatz zu Werner Keller - wusste, was er tat. Im Jahr 1941, also mitten im Krieg, als Alfred Rosenbergs "Mythos des 20. Jahrhunderts" ins Wanken geriet, stellte Bultmann auch die Glaubwürdigkeit christlichen Mythos in Frage: "Man kann nicht elektrisches Licht benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben".

Diese Aussage wurde nach dem Krieg sowohl von der Kirche als auch von ihren Kritikern missverstanden. Bultmann wollte den christlichen Glauben nicht abschaffen, sondern nur für den modernen Menschen verständlich machen. Was er sagen wollte, ist folgendes: 1. Nur der Glaube nimmt ein Ereignis als Wunder wahr. 2. Das eigentliche Wunder ist der Glaube selbst.

Der Liedermacher Gerhard Schöne fragt: "Dass die Blinden wieder sehen - glaubst du daran? Dass die Lahmen wieder gehen - glaubst du daran? Dass es freundlich wird auf Erden - glaubst du daran? Dass wir langsam klüger werden - glaubst du daran? Dass die Dornen Rosen treiben - glaubst du daran?". Ich glaub daran!


 

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